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Simon Weiland: Wortakrobat, Komponist, Musiker, Schauspieler und Regisseur. In seinen Stücken bringt er geistig-seelische Prozesse als Gesamtkunstwerk auf die Bühne.

Angeregt durch Konkrete Poesie, Atem- bzw. Körperarbeit und Episches Theater entwickelt er eine neue Form von Musiktheater: Dramen, in denen Anteile von Persönlichkeiten auftreten. Ein Schauspieler schlüpft in verschiedene Rollen, um diesen Aspekten körperliche Präsenz und vor allem Stimme zu verleihen.

Schein und Sein, Authentizität, Lebensmut… Diese Stoffe nehmen immer neue Formen an. Und jedes Mal die Frage: wie tickt menschlicher Geist?

Simon Weiland, 1963 in München geboren, lebt heute in Konstanz. Auftritte im deutschsprachigen Raum.

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Es ist genug

Simon Weiland konzentriert sich in der Ausstattung aufs Wesentliche. Verzicht und Reduktion sind zentrale Bestandteile seines Theaters, um Freiheit zu gewinnen: die Unabhängigkeit von technischen oder anderen Hilfsmitteln. Es geht hier auch um eine gesellschaftspolitische Dimension: durch das Konzept des „weniger ist mehr“ kann Kunst der Gesellschaft zeigen, dass man gar nicht so viel braucht, wie man immer meint.

Märchen, Mythen, Träume

Märchen sind ziemlich nüchtern: zu Beginn herrscht immer eine Not, die den Protagonisten dazu zwingt, sich auf den Weg zu machen. Auf diesem Weg gilt es zu wachsen, zu reifen und durch die gewonnene Erfahrung die Not schließlich zu beseitigen: Märchen sind Plädoyers dafür, das eigene Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Vielleicht sind Märchen und Mythen kollektive Träume. Denn auch in den Träumen des Einzelnen gibt es immer wieder Hilfestellungen, die dem Träumer helfen, sein Leben anzupacken.

Die Sprache der Träume

Träume arbeiten oft mit Wortspielen und Analogien, um Bilder und Handlungen zu kreieren. Diese im menschlichen Unbewussten angelegte kreative Erzählweise wird in den Performances aufgegriffen: die durch die sprachlichen Assoziationen hervorgerufenen Bilder und Themen hätten auch durch Träume entstanden sein können. Das Publikum kann diesem Prozess bei vollem Bewusstsein folgen: symbolisches und rationales Denken finden zusammen.

Die mehrdimensionale Sprache

Worte haben häufig mehrere Bedeutungen. Rotkäppchen bringt der Großmutter einen frischen Strauß mit. Ist das ein Blumenstrauß oder ein Konflikt, den es auszufechten gilt? Oder gar beides? Diese Mehrdimensionalität der Sprache kann in den Performances erfahren werden: das Spiel mit den Worten öffnet Räume. Körper und Stimme können die Worte dann verschieden interpretieren und inkarnieren. Wenn Sprache wörtlich genommen wird, kann sie Paradoxe ausdrücken. Es fließt zusammen, was sonst unmöglich vereinbar scheint: ein transzendentes Bild der Welt.

Antikes Theater

Simon Weilands Musiktheater basiert auf einem antiken Konzept: im 6. Jh. v. Chr. löste Thespis aus Athen einen Schauspieler / Musiker aus dem bis dahin geschlossen auftretenden Chor heraus. Dieser spielte dann alle Rollen und war auch als Autor und Regisseur verantwortlich: die Geburt des Theaters! In Athen kam es daraufhin zur Aufführung von Trilogien. Durch das Anknüpfen an diese Tradition kann die Urform des Theaters neu erlebt werden.