Blumen des Bösen?

Ein Video des Theaterstücks wird demnächst hochgeladen. Hier schon mal die Hörspielversion:

https://www.youtube.com/watch?v=19smtCW0nDI&t=885s

Lust oder Verlust?

Ein modernes Mysterienspiel. Rotkäppchen geht eigene Wege und pflückt Blumen: Lust. Doch dann wird es von Schuldgefühlen aufgefressen, die sich als Großmutter verkleiden: Verlust. Eine Parabel auf innere Dogmen und Päpste, die das Leben verleiden. Und der Jäger? Zum Glück gibt es ein Happy End…

Rotkäppchen – der Stoff

Die griechische Antike kennt den Mythos der blumenpflückenden Persephone, die von Hades, dem Gott der Unterwelt, geraubt wird. Nach dem Psychoanalytiker Bruno Bettelheim geht es in diesem Märchen um den Widerspruch zwischen Lust- und Realitätsprinzip. Es ist auch möglich, den Weg Rotkäppchens von der Mutter zur Großmutter als sexuelle Initiation zu interpretieren. (Wikipedia). Für den Psychiater Wolfdietrich Siegmund ermutigt das Märchen zum Durchhalten, wo man sich nicht selbst befreien kann, obwohl man nicht schuld ist. (Wikipedia)

Unfehlbare Dogmen

Die Performance zeichnet nach, wie Lust durch Dogmen zu Verlust wird. Rotkäppchen glaubt, sie sei schuldig, weil sie ihrer Lust folgt und Blumen pflückt. Eine Zuordnung, ähnlich wie im Dogma der Erbsünde, das alle Menschen für schuldig erklärt, weil Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis aßen.
Dieses Dogma hat in knapp zweitausend Jahren seine Spuren in der Geschichte hinterlassen: westliche Gesellschaften haben unbewusst Schuldgefühle in den Knochen. So nimmt es nicht wunder, dass auch die Ökonomie von heute den Menschen weismacht, sie seien etwas schuldig. Das mächtigste Dogma heutzutage heißt Wirtschaftswachstum. In einer Wirtschaft, die nur funktioniert, wenn sie wächst, bleibt man immer etwas schuldig: nie ist es genug. Aus der Erbsünde wird der Leistungsdruck des Kapitalismus. Für Lebensfreude und Lust hat das verheerende Folgen. Nicht nur Rotkäppchen wird aufgefressen von Arbeit, Verpflichtungen und Stress. Zum Glück hat das Märchen ein Happy End. Rotkäppchen entkommt der Mühle, geht wieder eigene Wege und pflückt Blumen: die Lust kehrt zurück.

Die Performance ist Teil 1 der Trilogie Leave Paradise.

Presse:

“Beinahe faustisch zog Simon Weiland durch Religion, Philosophie und die Errungenschaften der modernen Zivilisation.” (Südkurier Stockach 2018)

“Kühne Assoziationen, Wortspiele und Gedankensprünge. Der Performer ist mal ein komischer, mal Gänsehaut erzeugender Sprachkünstler, der in keine Schublade passt.”  (Fuldaer Zeitung 2016)

“Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Mucksmäuschenstill lauscht das Publikum Simon Weilands Reflexionen zum Märchenklassiker. Allein die Intensität, mit der Simon Weiland in blitzschnellem Wechsel das brave Rotkäppchen, den bösen Wolf oder den ewig prüfenden Gott mimt, hält die Gäste in Atem. Intensiv und irritierend.” (Südkurier Konstanz 2013)

Copyright 2016 by Simon Weiland außer:

“Rotkäppchen” Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Frankfurt, 1991
“Heidenröslein” Text: Johann Wolfgang von Goethe / Musik: Heinrich Werner
“Zwei Wölfe” Indianergeschichte, Autor unbekannt
“Das kleine Rotkäppchen” Tegethoff, Ernst (Hg), Französische Volksmärchen, Jena 1912, Band 2