{"id":1384,"date":"2023-02-09T14:06:09","date_gmt":"2023-02-09T14:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/simon-weiland.de\/?page_id=1384"},"modified":"2026-05-20T16:24:02","modified_gmt":"2026-05-20T16:24:02","slug":"traeume-programmheft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/simon-weiland.de\/?page_id=1384","title":{"rendered":"Tr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Stoff, aus dem die Tr\u00e4ume sind<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume sind universell. Alle Menschen und sogar Tiere tr\u00e4umen. Tr\u00e4ume sind etwas Geistiges, doch sind sie wie Blumen oder B\u00e4ume organische Gebilde der Natur: sie sind nicht menschengemacht, sondern entstehen aus sich selbst heraus: es ist die Sprache der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume sind nicht nur Sch\u00e4ume, denn die Natur spricht durchaus sinnvoll mit uns, wenn wir tr\u00e4umen. Die Performance versucht, diese Sprache zug\u00e4nglich und verst\u00e4ndlich zu machen. Ein Traum mag ein Buch mit sieben Siegeln sein, doch diese lassen sich \u00f6ffnen. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird ein weiter Bogen geschlagen: vom Taoismus, \u00fcber die moderne Gehirnforschung bis hin zur Astrophysik: es gibt Dimensionen, die, wie der Traum, Zeit und Raum relativieren: ein Wissen, das die \u00e4lteste Kultur der Menschheit, die Aborigines Australiens, als Traumzeit bezeichnet.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Drittel des Lebens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir schlafen und tr\u00e4umen etwa ein Drittel unseres Lebens. W\u00e4hrend dieser Lebenszeit erleben wir andere Dinge als im Wachzustand. Tiere k\u00f6nnen sprechen, Tote sind lebendig, wir k\u00f6nnen fliegen, Personen verwandeln sich urpl\u00f6tzlich. Es ist eine M\u00e4rchenwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Kategorien f\u00fcr Zeit und Raum sind v\u00f6llig anders: wir sind auf einmal wieder Kinder oder leben zu ganz anderen Zeiten. Selbst der Raum wird ohne weiteres \u00fcberbr\u00fcckt oder verwandelt sich ganz einfach. Im Traum gelten andere Gesetze f\u00fcr Tod, Zeit und Raum. Es ist eine Wirklichkeit mit einer anderen Sprache.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>M\u00e4rchen, Mythen, Tr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;<em>Die Symbolsprache ist eine Sprache, in der innere Erfahrungen, Gef\u00fchle und Gedanken so ausgedr\u00fcckt werden, als ob es sich um sinnliche Wahrnehmungen, um Ereignisse in der Au\u00dfenwelt handelte. Es ist eine Sprache, die eine andere Logik hat als unsere Alltagssprache, die wir tags\u00fcber sprechen. Die Symbolsprache hat eine Logik, in der nicht Zeit und Raum die dominierenden Kategorien sind, sondern Intensit\u00e4t und Assoziation.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ist die einzige universale Sprache, welche die Menschheit je entwickelt hat und die f\u00fcr alle Kulturen im Verlauf der Geschichte die gleiche ist. Es ist eine Sprache sozusagen mit eigener Grammatik und Syntax, eine Sprache, die man verstehen muss, wenn man die Bedeutung von Mythen, M\u00e4rchen und Tr\u00e4umen verstehen will. Aber der moderne Mensch hat diese Sprache vergessen, nicht wenn er schl\u00e4ft, aber wenn er wach is<\/em>t.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(Erich Fromm: M\u00e4rchen, Mythen, Tr\u00e4ume)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"237\" height=\"191\" src=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pegasus-free.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-662\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Im Kosmos der Tr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kosmos hei\u00dft Ordnung. Tr\u00e4ume erscheinen chaotisch. Doch gibt es Muster, die darauf schlie\u00dfen lassen, dass Tr\u00e4ume sehr wohl strukturiert sind. Sie haben eine innere Ordnung: der Kosmos der Tr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p>Der rote Faden eines Traumes wird durch neuronale Verkn\u00fcpfungen zum \u201eStoff, aus dem die Tr\u00e4ume sind\u201c. Tr\u00e4ume erz\u00e4hlen ihre Geschichten durch Assoziationen. Die Performance geht diesem Kosmos nach, indem sie auf gleiche Weise assoziativen Verkn\u00fcpfungen folgt und so an einem Stoff webt.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Traumsprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sprache eignet sich f\u00fcr assoziative Verkn\u00fcpfungen besonders gut. Deshalb spielen Tr\u00e4ume oft mit Worten und Redewendungen, um Bilder zu kreieren. Sie nehmen Sprache wortw\u00f6rtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>In Tr\u00e4umen geht es um Gef\u00fchle. Es lohnt sich, bei einem Traumbild danach zu fragen, ob ihm vielleicht eine Redewendung zugrundeliegt. Kommt im Traum z.B. eine Wurst vor, k\u00f6nnte das sowohl ein Gef\u00fchl von Gleichg\u00fcltigkeit ausdr\u00fccken, \u201eDas ist mir Wurst!\u201c, als auch eines von Dringlichkeit: \u201eJetzt geht es um die Wurst!\u201c Weil das v\u00f6llig verschiedene Emotionen sind, kann nur der \/ die Tr\u00e4umende sp\u00fcren, worum es hier gerade geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist es ein Wunder, wie kreativ Tr\u00e4ume ihre Bilder erschaffen. Welche sch\u00f6pferische Intelligenz bringt das hervor? Es ist nicht das Ego. Es geschieht von selbst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eManche Menschen sind fassungslos, wenn sie das Verm\u00f6gen der<\/em> <em>tr\u00e4umenden Seele entdecken, derartige Wortspiele zu machen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Ann Faraday, Deine Tr\u00e4ume)<\/p>\n\n\n\n<p><br><br><strong>Freie Assoziation und freischwebende<\/strong> <strong>Aufmerksamkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um seine Tr\u00e4ume besser verstehen zu k\u00f6nnen, entwickelte Sigmund Freud die Technik der freien Assoziation. Er schrieb seine Tr\u00e4ume auf und stellte spielerisch Verkn\u00fcpfungen und Zusammenh\u00e4nge her, w\u00e4hrend er dabei versuchte, den Prozess zu beobachten, ohne zu ihn werten. Dies nannte er \u201efreischwebende Aufmerksamkeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume arbeiten mit Assoziationen, die unbewusst ablaufen. Wenn wir bei Bewusstsein dem intuitiv eingeschlagenen Pfad folgen, merken wir meist recht schnell, was der Traum uns sagen m\u00f6chte. Wir sind ihm auf der Spur, indem wir sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Wagen-Linien.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-679\" width=\"285\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Wagen-Linien.jpg 649w, https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Wagen-Linien-261x300.jpg 261w\" sizes=\"(max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Kreativit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Wort \u201ekreativ\u201c kommt von lateinisch \u201ecreare\u201c, was sowohl \u201e(er)schaffen\u201c als auch \u201ew\u00e4hlen\u201c hei\u00dft. Um sch\u00f6pferisch sein zu k\u00f6nnen, braucht es einen Fundus, aus dem gesch\u00f6pft werden kann. Unseren Tr\u00e4umen steht ein riesiger Speicher meist unbewusster Erinnerungen zur Verf\u00fcgung, aus dem erstaunlich zielgerichtet gew\u00e4hlt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird mit kindlicher Hingabe gespielt: werden Dinge verkn\u00fcpft, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, entsteht etwas Neues. Tr\u00e4ume k\u00f6nnen so Situationen simulieren, die dem \/ der Tr\u00e4umenden neue Erkenntnisse verschaffen. Weil es im Traum keine Grenzen gibt, kann \u201eDas wilde Denken\u201c (Claude L\u00e9vi-Strauss) den Horizont erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00e4ume sind kreat\u00fcrliche Prozesse: wir sind kreativ, weil wir Kreaturen sind.&nbsp; Wir sind sch\u00f6pferische Gesch\u00f6pfe. Dem Leben liegt Kreativit\u00e4t zugrunde. Vor etwa 13,8 Milliarden Jahren hat sich der Kosmos geschaffen. Was war davor? Was ist dieses Sch\u00f6pferische?&nbsp;<br><br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"174\" height=\"181\" src=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Tao-Zeichen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1523\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tao<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas Tao wird (\u2026) als vor der Erschaffung des Universums existierend<\/em> <em>beschrieben, als unver\u00e4nderliches Ordnungsprinzip, Urgrund des Seins,<\/em> <em>eine absolute und alles durchdringende Kraft.\u201c<\/em> (Spektrum <a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/lexikon\/psychologie\/taoismus\/15294\">hier<\/a> )<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kosmos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas kosmische Hintergrundrauschen (\u2026) wird auch aus solchen Himmelsrichtungen empfangen, an denen sich keine bekannten kosmischen Objekte befinden. Es befindet sich also \u00fcberall und kommt aus allen Richtungen. Nach heutigen Modellvorstellungen ist dieses Rauschen ein \u00dcberbleibsel des kosmischen Urknalls.\u201c<\/em> (Wikipedia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rauschen_(Physik)\">hier<\/a> )<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Traumzeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Traumzeit-Legenden handeln von der universellen, raum-<\/em> <em>und zeitlosen Welt, aus der die reale Gegenwart in einem unabl\u00e4ssigen Sch\u00f6pfungsprozess hervorgeht, um ihrerseits wiederum die Traumzeit mit neuen geschichtlichen Vorg\u00e4ngen zu \u201ef\u00fcllen\u201c. Dieses allumfassende spirituelle Gewebe erkl\u00e4rt somit, wie alles entstanden ist. (\u2026)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr die Aborigines handelt es sich bei der Traumzeit um die \u201espirituelle,<\/em> <em>nat\u00fcrliche und moralische Ordnung des Kosmos\u201c, und Tr\u00e4umen bedeutet in diesem Zusammenhang die kollektive F\u00e4higkeit, die Welt und ihre<\/em> <em>Zusammenh\u00e4nge richtig zu verstehen und zu nutzen (\u2026). Dies kann durchaus auch mit dem normalen, individuellen Tr\u00e4umen in Verbindung<\/em> <em>gebracht werden<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Traumzeit#cite_note-3\"><em>.\u201c<\/em><\/a> (Wikipedia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Traumzeit\">hier<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"282\" height=\"173\" src=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/songs-of-the-dreamtime-2.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-682\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Libretto<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Traeume.docx\">Tr\u00e4ume<\/a><a href=\"https:\/\/simon-weiland.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Traeume.docx\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Credits<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Text und Musik&nbsp; \u00a9 2021 Simon Weiland, au\u00dfer:<\/p>\n\n\n\n<p>Schlaf, Kindlein, schlaf<br>(Text: Johann Friedrich Sch\u00fctze \/ Melodie: Johann Friedrich Reinhardt)<br>Wei\u00dft du wie viel Sternlein stehen<br>(Text: Wilhelm Hey \/ Melodie: Volksweise)<br>Stille Nacht, heilige Nacht<br>(Text: Joseph Mohr \/ Melodie: Franz Xaver Gruber)<\/p>\n\n\n\n<p>Urauff\u00fchrung: 17.09.21, K9 Konstanz<\/p>\n\n\n\n<p>Bildnachweise:<br><em>Pegasus<\/em>: pinterest,&nbsp; <em>Spirale<\/em>: clipart-library, <em>Aborigine<\/em>: aboriginal-art<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<br>Faraday, Ann: Deine Tr\u00e4ume. Schl\u00fcssel zur Selbsterkenntnis<br>Fromm, Erich: M\u00e4rchen, Mythen, Tr\u00e4ume. Eine Einf\u00fchrung in eine vergessene Sprache<br>Klein, Stefan: Tr\u00e4ume. Eine Reise in die innere Wirklichkeit<br>Lawlor, Robert: Am Anfang war der Traum. Die Kulturgeschichte der Aborigines<\/p>\n\n\n\n<p>Dank an meine Frau Susan G\u00f6nner<br>Gewidmet meinem Vater Mato Weiland<\/p>\n\n\n\n<p>Gef\u00f6rdert durch das Kulturamt der Stadt Konstanz<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Stoff, aus dem die Tr\u00e4ume sind Tr\u00e4ume sind universell. Alle Menschen und sogar Tiere tr\u00e4umen. Tr\u00e4ume sind etwas Geistiges, doch sind sie wie Blumen oder B\u00e4ume organische Gebilde der Natur: sie sind nicht menschengemacht, sondern entstehen aus sich selbst heraus: es ist die Sprache der Natur. Tr\u00e4ume sind nicht nur Sch\u00e4ume, denn die Natur &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/simon-weiland.de\/?page_id=1384\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTr\u00e4ume\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1384"}],"collection":[{"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1384"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1384\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2324,"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1384\/revisions\/2324"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/simon-weiland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1384"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}