die wunderlampe

Magie oder Zauber: Aladin

Moderne Gesellschaften sind von quasi „magischen“ Abläufen durchdrungen: Maschinen übernehmen viele Bereiche des täglichen Lebens. Wir sind Technokraten und Macher geworden: „machen, Magie, Maschine“ sind verwandte Wörter. Doch trotz ihrer äußerlichen Macht fühlen sich viele Menschen innerlich zunehmend ohnmächtig.

Hier setzt das Märchen an: ein Magier will an eine Wunderlampe in der Erde gelangen. Doch hier stößt er an seine Grenzen. Nur einem sogenannten Taugenichts wie Aladin ist es möglich, die Wunderlampe zu bergen: Aladin hat sich die kindliche Offenheit bewahrt, sich wundern zu können und sich bezaubern zu lassen.

Aladin begegnet in der Erde nicht der Magie des Machens, sondern dem Zauber des Berührt- und Ergriffenwerdens. Er lernt die Liebe kennen. Dies war in prähistorischer Zeit ein auf der ganzen Welt verbreiteter Ritus, der in den letzten Jahrtausenden von patriarchal-hierarchischen Strukturen überlagert wurde. Doch der Zauber dieser Liebe ist auch heute noch da.

Uraufführung 13./ 14. November 2020 um 20 Uhr im Wolkensteinsaal Konstanz
20. November um 20 Uhr, Bücher am Markt Stockach

 

Aladin und die Wunderlampe

Das ursprüngliche Märchen findet sich in der Sammlung „Märchen aus 1001 Nacht“. Handlung: ein mächtiger Magier will an eine Wunderlampe gelangen, die sich in der Erde befindet. Trotz all seiner Macht ist ihm das unmöglich. Er ist auf die Hilfe eines Taugenichts angewiesen: Aladin. Deshalb gibt sich der Magier als sein Onkel aus. Aladin holt die Lampe aus einer Höhle. Als er merkt, dass der Magier ihn betrügen will, muss er mit der Lampe in die Höhle zurück. Dort entdeckt er, dass in der Lampe ein Geist ist, der Wünsche erfüllt. So wird er aus der Höhle befreit und heiratet schließlich die Tochter des Sultans. Dem Magier gelingt es dann zwar, die Wunderlampe zu stehlen, doch Aladin und seine Frau schaffen es, die Lampe wieder zurückzubringen.

Warum dieses Märchen?

Das Märchen stellt eine interessante Frage: warum ist ein Machtmensch wie der Magier auf einen sogenannten Taugenichts wie Aladin angewiesen? Ist das, was als Macht erscheint, in Wirklichkeit gar nicht so mächtig, vielleicht sogar ohnmächtig? Hat das, was in der Welt von heute als nutzlos gilt, womöglich eine große Kraft? Für heutige Gesellschaften sind Herrschafts- und Machtstrukturen so normal, dass wir uns kaum etwas anderes vorstellen können. In geschichtlicher Zeit hat es fast immer Herrschaft gegeben. Doch archäologische Funde aus uralter Zeit davor lassen darauf schließen, dass menschliche Gesellschaften nicht immer patriarchal und hierarchisch waren. Sie müssen es daher auch nicht bleiben. So greift die Performance einige prähistorische Spuren auf, die noch heute im Alltag lebendig sind: Osterbräuche, Laternenumzüge und vor allem die Sprache.

Die Wurzeln der Sprache

Indoeuropäischen Sprachen haben den gleichen Ursprung: Sprachwissenschaftler schließen durch Vergleiche auf gemeinsam zugrunde liegende Wortwurzeln, die mindestens 5000 Jahre alt sind. Und da kommen erstaunliche Verwandtschaften zutage: aus der Wurzel *kel- enstehen die Wörter „hell“ „helfen“ „Hülle“  „hohl“, „Höhle“, Frau „Holle“ und „hold“. Für die Performance ist das insofern interessant, weil man sich wundert, wodurch Aladin in der Höhle eigentlich erhellt wird. Was ist eine Wunderlampe? Schaut man sich die englische Sprache an, kann man die spirituellen Dimensionen vielleicht erahnen: „hole“, „whole“, „holy“. In der Höhle müssen die Menschen von früher tiefe Erfahrungen gemacht haben. Auch dazu gibt es archäologische Funde.

Noch eine andere indoeuropäische Wortwurzel spielt in der Performance eine Rolle: aus der Wurzel *magh-  entstehen sowohl die Wörter „machen“ und „Magie“ als auch „Maschine“. Auch hier ist ein Zusammenhang, der noch nach tausenden von Jahren in der Sprache von heute zu hören ist.