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Träume, Märchen und die Sprache sind die Inspirationsquellen dieser Performances. Diesen drei Quellen ist gemeinsam, dass sie nicht willentlich gemacht sind. Es sind organische Gebilde der Natur. Träume sind wie Blumen. Sie entstehen nicht durch menschliches Tun, sondern haben ihre eigene Logik. Und vielleicht sind Märchen kollektive Träume, die über Jahrtausende organisch gewachsen sind? Auch die Sprache ist so ein lebendiger Organismus, der sich über eine sehr lange Zeit entwickelt hat.

In der Sprache ist noch heute das Empfinden der Menschen hörbar, die vor Tausenden von Jahren gelebt haben. Ein Beispiel: „warm“, „wahr“ und „warten“ klingen nicht nur ähnlich. Diese drei Wörter entspringen der indoeuropäischen Wortwurzel *uer- . Für die Menschen der Vorzeit gab es wohl einen Zusammenhang zwischen Wärme, Wartung und Wahrheit: Feuer war wichtig und musste gepflegt werden. Das sind Schichten, die weit in die Eiszeit reichen. In der Sprache sind diese uralten Wurzeln nach wie vor lebendig!

Auch viele Märchen sind uralte Geschichten, die über Jahrtausende hinweg mündlich weitergegeben wurden. Erst vor zweihundert Jahren wurden sie durch Sammler wie die Brüder Grimm schriftlich fixiert. Die Märchenforschung geht davon aus, dass diese Geschichten viele schamanistische Elemente aus der Eiszeit enthalten. Allerdings sind diese im Laufe der Jahrtausende patriarchal überlagert worden: was prähistorisch eine alte, weise Frau im Wald war, ist heute zur bösen Hexe geworden. Doch lassen sich die ursprünglichen Schichten freilegen.

Dafür gibt es die Archäologie: sowohl die herkömmliche Archäologie, als auch die sprach- und literaturwissenschaftliche Forschung kann uns mit einer Zeit in Verbindung bringen, in der die Menschen noch nicht hierarchisch, kriegerisch und ausbeuterisch gelebt haben. Sich dieser Wurzeln bewusst zu werden, heißt: so wie wir seit 5000 Jahren leben, muss es nicht zwingend weiter gehen. Eine andere Zukunft ist möglich! Deshalb ist auch die Archäologie eine Quelle der Inspiration.

Meine tiefste Inspirationsquelle ist jedoch die Gegenwart: das Leben mit meiner Partnerin Susan Gönner.