Wo viel Licht ist…


Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich

Ein ganz besonderes Märchen. Es ist das erste in der Sammlung der Brüder Grimm und dementsprechend exponiert. Auch ein Zusatztitel (der eiserne Heinrich) kommt in der Sammlung nur ein einziges Mal vor. Von der Mär, dass die Prinzessin den Frosch küsst, ist im Märchen dagegen keine Rede. Im Gegenteil: er wird erlöst, indem er an die Wand geknallt wird.

Auf Wikipedia wird vermutet, dass es sich für die Prinzessin um eine sexuelle Initiation handeln könnte, weil sie sich von ihrem Über-Ich (dem Vaterkönig) emanzipiert. Doch wofür steht der Frosch? https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Froschk%C3%B6nig_oder_der_eiserne_Heinrich#Sexuelle_Initiation

Eiserne Beherrschung?

Die Performance zeichnet eine Begegnung mit dem Schatten nach. Zweitausend Jahre „Machet euch die Erde untertan!“, vermeintliche Herrschaft über die Natur, Kontrollillusion und Hybris („Die Titanic ist unsinkbar“) haben Schattenseiten: Treibhauseffekt und Klimawandel. Es ist zu heiß. Wo ist Kühlung zu finden?

Die Königstochter geht an den kühlen Brunnen im dunklen Wald und begegnet dem Schatten ihres Vaters: ein Frosch, der den Preis für die Allmachtsphantasien des Vater-König-Patriarchats bezahlt. In seiner kleinkindhaften Bedürftigkeit stößt der Frosch die Königstochter ab. Doch ihr Vater zwingt sie dazu, sich eisern zu beherrschen und dem Frosch zu willfahren. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.  Das patriarchale Paradies des Königs bleibt bestehen.

So nimmt es nicht wunder, dass Ende des 19. Jahrhunderts der Topos der froschküssenden Prinzessin aufkommt: die Herrschaftsverhältnisse werden subtil untermauert.

Im Märchen ist die Königstochter nicht so brav. Sie wird böse und knallt den Frosch an die Wand: aus dem Frosch wird ein Prinz. Es ist  die Begegnung mit der eigenen Schattenseite, die Wandlung bringt: der alte König dankt ab, Natur und Mensch atmen auf. Und die Königstochter hat im Königssohn einen Partner auf Augenhöhe.

Die Performance ist Teil 3 der Trilogie Leave Paradise. Die Urfassung wurde 1999 aufgeführt und kam seither in immer neuen Versionen auf die Bühne.

Hier geht es zur Hörspielversion von 2016: https://www.youtube.com/watch?v=lRMsDBfNiOA&t=50s

Presse:

“Mit einer packenden Montagetechnik aus dutzenden Gedankensprüngen und Verknüpfungen brachte Weiland eine ganz neue Form des Theaterspielens auf die Bühne.” (Südkurier Radolfzell 2019) https://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/Traeume-und-Portraets;art372455,10101068

Copyright 2021 by Simon Weiland außer

“Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich” Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Frankfurt, 1991
“Am Brunnen vor dem Tore” Text: Wilhelm Müller / Melodie: Franz Schubert
“Ist ein Mann in ‘n Brunnen g’fallen” Text und Melodie: Volksweise
“Lied der Deutschen” Text: August Hoffmann von Fallersleben / Melodie: Joseph Haydn
“Der Frosch” Agricola; Christiane (Hg), Schottische Märchen, Frankfurt, 1991
“Hoch auf dem gelben Wagen” Text: Rudolf Baumbach / Melodie: Heinz Höhne Copyright 1923 by Richard Birnbach Musikverlag